Ratgeber
Baukasten oder Agentur? Der ehrliche Vergleich für Betriebe.
Wix, Jimdo, Freelancer oder Webdesign-Agentur: was die Seite in Jahr 1 und Jahr 3 kostet, wie viele Stunden du selbst reinsteckst und wann welcher Weg passt.
Ein Homepage-Baukasten (Wix, Jimdo, Squarespace, IONOS MyWebsite) ist ein Mietsystem: Du wählst eine Vorlage, ziehst Texte und Bilder hinein und zahlst monatlich. Eine Agentur oder ein Freelancer baut die Seite für dich, du zahlst einmal und bekommst ein Ergebnis, das auf deinen Betrieb zugeschnitten ist. Die Kurzantwort: Der Baukasten gewinnt bei Budget unter 500 Euro und freier Zeit. Die Agentur gewinnt, sobald die Seite Anfragen bringen soll und deine Arbeitsstunde mehr wert ist als der Eigenbau. Alles dazwischen entscheidet die Tabelle.
Der Vergleich in einer Tabelle
Marktpreise, Stand 2026. Die Spannen decken das ab, was uns Betriebe aus Oberschwaben und dem Rest von DACH in Gesprächen nennen.
| Kriterium | Baukasten | Freelancer | Agentur |
|---|---|---|---|
| Kosten Jahr 1 | 120-360 Euro Abo plus 40-80 Stunden eigene Zeit | 500-3.000 Euro plus Hosting | 2.000-10.000 Euro und mehr, oft alles inklusive |
| Kosten bis Jahr 3 | 360-1.080 Euro Abo plus laufende Pflegezeit | Einmalpreis plus Änderungen nach Stundensatz | Einmalpreis plus Wartung 20-100 Euro im Monat |
| Zeitaufwand für dich | Hoch: du baust, schreibst, pflegst | Mittel: Texte und Bilder liefern, abstimmen | Niedrig: Briefing, Freigabe, fertig |
| Design-Individualität | Vorlage, sieht nach Vorlage aus | Je nach Person, oft Theme-basiert | Eigenes Design für deinen Betrieb |
| Ladezeit und Technik | Schwer, viel Skript im Template | Abhängig vom CMS und der Sorgfalt | Messbar, Lighthouse-Werte gehören ins Angebot |
| SEO-Möglichkeiten | Grundlagen ja, lokale Struktur ist Handarbeit | Meist Aufpreis oder gar nicht dabei | Lokales SEO sollte Standard sein |
| KI-Sichtbarkeit | Kaum steuerbar, Inhalte oft nur per Skript geladen | Selten Thema | Fakten im HTML, FAQ, Unternehmensprofil gepflegt |
| DSGVO und Hosting-Standort | Wix, Squarespace: USA. Jimdo, IONOS: DE/EU. Rechtstexte selbst pflegen | Hoster frei wählbar, Rechtstexte oft dein Job | Hosting DE, AV-Vertrag, Impressum und Datenschutz inklusive |
| Eigentum und Umzug | Seite bleibt beim Anbieter, kein Export | Meist deins, im Vertrag festhalten | Deins, wenn kein eigenes CMS dazwischen sitzt |
| Support | Hilfe-Center, Chat, Community | Eine Person, Urlaub und Krankheit inklusive | Team, Vertretung, feste Reaktionszeiten |
Wann der Baukasten die richtige Wahl ist
Drei Fälle, in denen wir selbst zum Baukasten raten würden: Das Budget liegt unter 500 Euro und du hast Abende frei. Die Seite ist für einen Verein, ein Hobby oder ein Nebenprojekt ohne Umsatzziel. Oder du testest eine Geschäftsidee und willst in einer Woche online sein, ohne zu wissen, ob es sie in einem Jahr noch gibt. Dafür ist Wix gebaut, und dafür ist es gut.
Auch wichtig: Unter 500 Euro sind wir nicht die Richtigen. Dann nimm den Baukasten, mach die Seite sauber und komm wieder, wenn der Betrieb wächst.
Wann eine Agentur die richtige Wahl ist
Sobald die Webseite Anfragen bringen soll. Ein Elektrobetrieb, ein Friseur, eine Hundeschule: Die Kunden suchen "Branche plus Ort" bei Google oder fragen ChatGPT. Dafür braucht die Seite eine Struktur mit eigenen Unterseiten für Leistungen und Orte, schnelle Ladezeiten, ein gepflegtes Google Unternehmensprofil und Fakten, die Maschinen lesen können. Das kannst du dir im Baukasten erarbeiten. Es dauert nur.
Die zweite Bedingung: Deine Stunde ist mehr wert als der Eigenbau. Ein Meister, der 60 Stunden am Wochenende an Wix sitzt, hat in der Zeit keinen Auftrag abgearbeitet. Was das in Euro heißt, rechnen wir gleich vor. Woran du ein faires Angebot erkennst, steht in der Checkliste zum Beauftragen.
Rechenbeispiel: Was dich der Eigenbau kostet
Annahme, klar gekennzeichnet: 60 Stunden Eigenbau (Mitte der typischen 40 bis 80 Stunden für Vorlage einrichten, Texte schreiben, Bilder aufbereiten, Rechtstexte, mobile Ansicht, Unternehmensprofil) und ein Stundenwert von 50 Euro, wie ihn viele Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe als Verrechnungssatz ansetzen.
- 60 Stunden mal 50 Euro = 3.000 Euro Arbeitszeit
- plus 240 Euro Abo im ersten Jahr (20 Euro im Monat)
- plus etwa 2 Stunden Pflege im Monat = 1.200 Euro im Jahr
Macht rund 4.400 Euro im ersten Jahr für eine Seite, die nach Vorlage aussieht. Bei 25 Euro Stundenwert halbiert sich die Rechnung, bei 80 Euro liegt sie bei über 7.000 Euro. Setz deine eigene Zahl ein. Die Preisspannen für Freelancer und Agenturen zum Gegenrechnen findest du unter Was kostet eine Webseite.
Typische Fehler beim Baukasten
- Google Fonts von Google-Servern: Viele Vorlagen laden Schriften extern nach. Das LG München I hat dafür 2022 Schadensersatz zugesprochen (3 O 17493/20). Schriften gehören auf den eigenen Server.
- US-Hosting ohne Hinweis: Bei Wix und Squarespace laufen Besucherdaten über ein US-Unternehmen. Ohne AV-Vertrag und passende Datenschutzerklärung ist das angreifbar.
- Eine Seite für alles: "Leistungen" als einzelne Unterseite, kein Ort im Text, keine Seite pro Leistung. Google hat dann nichts, was es für "Elektriker Sigmaringen" ranken könnte.
- Ladezeit durch das Template: Slider, Animationen, Chat-Widgets und fremde Skripte kommen mit der Vorlage. Auf dem Handy im Funkloch lädt die Seite dann 6 Sekunden, der Besucher ist weg.
- Inhalte nur per Skript: Einige Baukästen rendern Texte erst im Browser. KI-Crawler außer Gemini führen kein JavaScript aus, sie sehen dann eine leere Seite.
Typische Fehler bei Agenturen
- Stundensatz ohne Deckel: 80 bis 150 Euro pro Stunde, Änderungsrunden nach Aufwand. Am Ende kostet die Seite das Doppelte vom Angebot. Frag nach einem Festpreis.
- Lock-in beim CMS: Manche Agenturen bauen auf ein eigenes System. Willst du wechseln, fängst du bei null an. Lass dir schriftlich geben, dass Code, Texte und Bilder dir gehören und die Seite ohne die Agentur weiterläuft.
- Wartung als Pflichtabo: 150 Euro im Monat für "Sicherheitsupdates" einer statischen Seite sind Fantasie. Wartung muss transparent sein und kündbar. Was wir dafür anbieten, steht unter Betreuung.
- Texte liefert der Kunde: Dann liegt das Projekt drei Monate, weil niemand im Betrieb Zeit zum Schreiben hat. Texte gehören ins Paket.
Entscheidungs-Checkliste: 7 Fragen
- Soll die Seite Anfragen bringen oder nur existieren?
- Wie viel ist deine Arbeitsstunde wert, und hast du 40 bis 80 davon frei?
- Liegt dein Budget über oder unter 500 Euro?
- Suchen deine Kunden lokal ("Branche plus Ort")?
- Wer schreibt die Texte?
- Wem gehört die Seite nach dem Go-Live, und was passiert beim Umzug?
- Wo liegen die Daten, und wer pflegt Impressum und Datenschutz?
Drei oder mehr Antworten in Richtung "Anfragen, Stunde ist teuer, lokal, keine Zeit für Texte": Lass bauen. Sonst Baukasten. Die Rechtsfragen aus Punkt 7 im Detail: DSGVO-Checkliste 2026. Wie wir uns von Baukasten und klassischer Agentur unterscheiden, zeigt der Vergleich. Weitere Artikel im Ratgeber.
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Häufige Fragen
Baukasten oder Agentur: deine Fragen
Für eine Visitenkarte im Netz ja: Adresse, Öffnungszeiten, drei Fotos. Sobald die Seite Anfragen bringen soll, wird es eng. Lokale Unterseiten, saubere Ladezeit, selbst gehostete Schriften und Hosting in Deutschland sind im Baukasten entweder Handarbeit oder gar nicht vorgesehen. Wer die Zeit dafür hat, kommt weit. Wer sie nicht hat, zahlt mit Sichtbarkeit.
Das Abo liegt bei 10 bis 30 Euro im Monat, also 120 bis 360 Euro im Jahr, plus Domain. Der große Posten ist deine Zeit: Für eine brauchbare Firmenseite rechnen wir mit 40 bis 80 Stunden Eigenbau, dazu Pflege. Bewertest du deine Stunde mit 50 Euro, kostet der Baukasten im ersten Jahr 2.000 bis 4.000 Euro, nur eben unsichtbar.
Ein Wochenende reicht für einen ersten Entwurf. Fertig ist die Seite damit nicht. Texte schreiben, Bilder aufbereiten, Impressum und Datenschutz, mobile Ansicht prüfen, Google Unternehmensprofil verknüpfen: Realistisch sind 40 bis 80 Stunden, verteilt über zwei bis drei Monate, weil der Betrieb nebenher weiterläuft.
Die Domain ja, die Seite selbst nein. Wix, Jimdo und Squarespace geben keinen Export heraus, den ein anderer Hoster laden könnte. Texte und Bilder kopierst du von Hand, das Design und die Struktur entstehen neu. Wichtig beim Umzug: alte Adressen per 301 auf die neuen Seiten weiterleiten, sonst verlierst du die Rankings, die du dir aufgebaut hast.
Beide sind US-Unternehmen, deine Besucherdaten laufen über Server außerhalb der EU. Das ist mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Standardvertragsklauseln vertretbar, aber Erklärungsaufwand in der Datenschutzerklärung. Jimdo und IONOS hosten in Deutschland beziehungsweise der EU. In jedem Fall selbst prüfen: Schriften, Karten und Videos dürfen keine Daten an Dritte senden, bevor der Besucher zugestimmt hat.
Ein guter Freelancer liefert für 500 bis 3.000 Euro eine ordentliche Seite. Das Risiko ist die Verfügbarkeit: Krankheit, Urlaub oder ein Jobwechsel, und deine Betreuung steht. Eine Agentur kostet mehr, bringt dafür Vertretung, Texte, SEO und Wartung aus einer Hand. Entscheidend ist bei beiden, ob ein Festpreis vereinbart wird und wem die Seite am Ende gehört.