Ratgeber

Website-Relaunch ohne Rankingverlust: die 10-Punkte-Checkliste.

Warum neue Webseiten bei Google abstürzen, wie du das mit URL-Inventar und 301-Mapping verhinderst und was am Go-Live-Tag zu tun ist.

Website-Relaunch: alte und neue Webseite nebeneinander, dazwischen die 301-Weiterleitung

Rankings gehen beim Relaunch aus einem Grund verloren: Google findet die Seiten, die es bisher bewertet hat, unter ihrer alten Adresse nicht mehr wieder. Alles andere (neues Design, neues System, neuer Hoster) ist Google egal. Die Lösung ist Handwerk: alle alten URLs sammeln, jede einzelne per 301 auf ihr neues Gegenstück leiten, die rankenden Texte übernehmen und am Go-Live-Tag den Suchmaschinen Bescheid geben. Wer das macht, behält seine Positionen. Wer es weglässt, fängt bei Google von vorne an.

Warum ein Relaunch Rankings kostet

Sechs Fehler sehen wir bei alten Seiten immer wieder, meistens mehrere gleichzeitig:

  • URLs ändern sich ohne Weiterleitung. Aus /leistungen/welpen.html wird /welpentraining, die alte Adresse liefert 404. Google streicht sie samt Ranking.
  • Inhalte fallen weg. Die alte Seite hatte 800 Wörter zum Thema, die neue hat drei schicke Sätze. Google bewertet Text, keine Optik.
  • Titles und H1 werden neu geschrieben. Aus "Hundeschule Stuttgart" wird "Willkommen bei uns". Das Keyword ist raus, das Ranking auch.
  • Die neue Seite lädt langsamer. Unkomprimierte Bilder, Slider, fünf Skripte. Lädt die Seite auf dem Handy länger als vorher, fällt sie zurück.
  • noindex bleibt drin. Die Testversion war absichtlich für Google gesperrt. Beim Go-Live vergisst jemand die eine Zeile, und Google wirft die Seite komplett raus.
  • Domain-Varianten laufen ins Leere. www, http, alte Subdomains: jede Variante, die keinen sauberen Weg zur neuen Seite hat, teilt die Bewertung oder liefert Fehler.

Die 10-Punkte-Checkliste für den Relaunch

  1. URL-Inventar der alten Seite. Vier Quellen, alle zusammen: die alte Sitemap, der Bericht "Seiten" in der Search Console, ein Crawl mit Screaming Frog und die Google-Abfrage site:deine-domain.de. Die Sitemap allein reicht nie, alte Seiten aus der Contao- oder Jimdo-Zeit stehen da längst nicht mehr drin, sind bei Google aber noch bekannt.
  2. Ranking-Seiten identifizieren. In der Search Console unter "Leistung" siehst du, welche URLs Klicks und Impressionen bringen. Oft sind es fünf bis zehn Seiten, die den Großteil des Traffics tragen. Die bekommen beim Relaunch Vorrang, bei Inhalt und beim Mapping.
  3. 301-Mapping, jede URL einzeln. Eine Tabelle: alte URL links, neues Ziel rechts. Leistungsseite auf Leistungsseite, Kontakt auf Kontakt, alte Blogartikel auf den thematisch nächsten Inhalt. Wenn es kein passendes Ziel gibt, bewusst entscheiden, statt pauschal auf die Startseite zu leiten. Google wertet das als Soft 404, und das Ranking ist trotzdem weg.
  4. Inhalte übernehmen statt kürzen. Der Text, der rankt, kommt mit. Umschreiben ja, halbieren nein. Bei den Hundeverstehern in Stuttgart hatte die alte Startseite 464 Wörter sichtbaren Text, die neue hat 1.584. Mehr Substanz zum gleichen Thema hat noch keiner Seite geschadet.
  5. Titles, H1 und Meta bewusst setzen. Für jede Ranking-Seite bleibt das Hauptkeyword im Title und in der H1. Eine H1 pro Seite. Die alte Hundeversteher-Startseite hatte 20 davon, das Theme hatte jede Kachel als H1 markiert.
  6. Interne Links auf die neuen URLs. Navigation, Footer, Textlinks: alles zeigt direkt auf die neue Adresse. Interne Links, die erst über eine Weiterleitung laufen, kosten Crawl-Zeit und sind ein Zeichen für schlampige Arbeit.
  7. Bilder komprimieren, Alt-Texte setzen. WebP statt 3 MB JPG, sprechende Dateinamen, Alt-Text mit dem, was auf dem Bild zu sehen ist. Ladezeit ist ein Rankingfaktor, und Bilder sind fast immer der Grund für eine langsame Seite.
  8. Staging mit noindex, am Go-Live-Tag entfernen. Die Testversion trägt noindex, damit Google sie nicht als Duplikat sieht. Am Go-Live-Tag kommt die Zeile raus, und zwar auf jeder Seite. Wir prüfen das per Script über alle HTML-Dateien, weil eine vergessene Seite reicht.
  9. Go-Live-Tag: Suchmaschinen informieren. Sitemap in der Google Search Console einreichen, Property in den Bing Webmaster Tools anlegen und die Sitemap dort ebenfalls einreichen, alle URLs per IndexNow melden (Bing und weitere Suchmaschinen holen sie dann innerhalb von Stunden ab). Dann jede alte URL aus dem Inventar aufrufen und der Weiterleitungskette bis zum Ende folgen. Ein 301 allein ist kein Beweis, das Ziel muss mit 200 antworten.
  10. Nachkontrolle Tag 3, Woche 1, Monat 1 und Alt-Domains prüfen. In der Search Console den 404-Report und die Crawl-Statistik anschauen, Rankings der Top-Seiten vergleichen. Parallel alle Domain-Varianten testen: http, https, www, ohne www und jede Subdomain, die jemals existiert hat. Jede muss per Weiterleitung bei der neuen Seite ankommen oder aus dem DNS verschwinden.

Beispiel: Die Hundeversteher, Stuttgart

Im August 2026 haben wir die Seite der Hundeversteher (Hundetrainer mit Hausbesuchen in Stuttgart) von einer alten Contao-Installation bei IONOS auf eine neue statische Seite bei Mittwald umgezogen. Die Domain blieb, das System und der Hoster wechselten.

Das URL-Inventar ergab 72 Adressen, darunter 22 einzelne Kundenstimmen-Seiten, die es auf der neuen Seite so nicht mehr gibt. Alle 22 leiten jetzt auf die Über-uns-Seite mit den gesammelten Stimmen. 59 uralte .htm-Adressen aus einer noch früheren Version haben wir bewusst ohne Ziel gelassen, sie hatten seit Jahren weder Traffic noch Links. Die 141 verweisenden Domains bleiben erhalten, weil jede alte URL mit Backlink ein neues Ziel hat.

Die Domain gab es in vier Varianten: ohne www, mit www, blog. und blog2. Die beiden Blog-Subdomains zeigten auf ein totes Webspace und lieferten Fehler 500, Bing hatte für beide noch alte Sitemaps gespeichert. Beide DNS-Einträge sind gelöscht, www und http leiten in einem Schritt auf die Hauptadresse. Beim ersten Test am Go-Live-Tag fiel uns ein eigener Fehler auf: 21 der 22 Kundenstimmen-Weiterleitungen endeten in einem 404, weil unser Prüfscript nur den ersten 301 gesehen hatte und der Kette nicht bis zum Ende gefolgt war. Seitdem gilt bei uns: Endstatus 200 oder nicht bestanden. Nach dem Fix: 72 von 72 Alt-URLs landen auf einer echten Seite.

Nebenbei wurde die Seite schneller: Antwortzeit der Startseite von 0,57 bis 0,73 Sekunden auf 0,12 Sekunden, Bilder von JPG auf WebP, Google Fonts vom CDN raus und lokal eingebunden. Der Seobility-Check der neuen Seite lag am Go-Live-Tag bei 97 Prozent mit 0 Fehlern. Wie wir Hundeschulen generell aufbauen, steht auf unserer Seite Webdesign für Hundeschulen.

Was du nach dem Go-Live erwarten kannst

Erfahrungswerte aus unseren Relaunches, keine Garantie. Google hat für jede Domain ein eigenes Tempo.

  • Tag 1 bis 3: Google crawlt die neuen URLs, in der Search Console tauchen erste Weiterleitungen und eventuell 404-Meldungen auf. Jetzt fixen, was fehlt.
  • Tag 7 bis 14: Die neuen URLs stehen im Index, die alten verschwinden nach und nach aus den Suchergebnissen. Rankings springen in dieser Phase, das ist normal.
  • Woche 3 bis 6: Die Rankings pendeln sich ein. Bei sauberem Mapping und übernommenen Inhalten auf dem alten Niveau oder besser, weil die Seite schneller und sauberer ist.
  • Monat 12: Frühestens jetzt dürfen die 301-Regeln raus. Wir lassen sie länger stehen, sie kosten nichts.

Wer kümmert sich beim Relaunch darum?

Frag deine Agentur vor der Beauftragung nach dem URL-Inventar und dem 301-Mapping. Kommt als Antwort "Wir leiten alles auf die Startseite" oder ein Fragezeichen, hast du den Anbieter, der dir dein Ranking kostet. Bei uns gehört das Vorgehen aus dieser Checkliste zu jedem Relaunch dazu: Inventar, Mapping jeder einzelnen URL, Backup und Dry-Run vor dem Deploy, Search Console, Bing Webmaster Tools und IndexNow am Go-Live-Tag, Prüfung aller Domain-Varianten. Wie sich das von Baukasten und klassischer Agentur unterscheidet, zeigt unser Vergleich. Und wenn Google für dich gerade das kleinere Thema ist, weil deine Kunden längst ChatGPT fragen: KI-Sichtbarkeit für lokale Betriebe und Gefunden werden bei Google und ChatGPT.

Häufige Fragen zum Relaunch

Nein. Rankings gehen verloren, wenn Google alte URLs ins Leere laufen sieht, Inhalte fehlen oder die neue Seite langsamer ist. Wer vor dem Go-Live ein URL-Inventar macht, jede alte Adresse per 301 auf ihr neues Gegenstück leitet und die rankenden Texte übernimmt, behält seine Positionen in der Regel. Ein paar Tage Schwankung sind normal.

Eine 301-Weiterleitung sagt Google und jedem Besucher: Diese Seite ist dauerhaft unter einer neuen Adresse zu finden. Google überträgt damit die Bewertung der alten URL auf die neue. Fehlt sie, landet der Besucher auf einer Fehlerseite und Google streicht die alte URL nach und nach aus dem Index, samt Ranking.

Nein. Google behandelt pauschale Weiterleitungen auf die Startseite wie eine Fehlerseite (Soft 404), weil der Inhalt nicht zur alten URL passt. Die Rankings der Unterseiten gehen dann trotzdem verloren. Jede alte URL braucht das thematisch nächste neue Ziel, zum Beispiel die alte Leistungsseite auf die neue Leistungsseite.

Nach unseren Erfahrungswerten hat Google die neuen URLs nach 7 bis 14 Tagen im Index, in Woche 3 bis 6 pendeln sich die Rankings ein. Bei sauberem 301-Mapping und übernommenen Inhalten sind die Schwankungen klein. Lass die Weiterleitungen mindestens 12 Monate stehen, Google braucht Zeit für alle alten Adressen.

Vier Quellen zusammen ergeben ein vollständiges Bild: die alte Sitemap, der Bericht Seiten in der Google Search Console, ein Crawl mit Screaming Frog und die Abfrage site:deine-domain.de bei Google. Ergänze Adressen mit Backlinks aus Bing Webmaster Tools oder Ahrefs. Bei den Hundeverstehern kamen so 72 URLs zusammen, die alte Sitemap allein hatte deutlich weniger.

Jede Variante deiner Domain muss auf die eine gültige Adresse zeigen, also http auf https und www auf ohne www (oder umgekehrt). Alte Subdomains wie blog.deine-domain.de, die auf ein gekündigtes Hosting zeigen, liefern Fehler und verwirren Google. Entweder weiterleiten oder den DNS-Eintrag beim Registrar löschen.

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